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Bauen 2.0 – Nachhaltiges Bauen der zweiten Generation

Vom Green-Building zum Blue-Building: Mit diesem Thema beschäftigte sich eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion der Ziviltechnikerkammer. Einhelliges Ergebnis: Die Technologien und Konzepte, die für Nachhaltiges Bauen heute schon vorhanden sind, gehen weit über die aktuell von Politik und Wirtschaft geförderten Maßnahmen hinaus.

Der vorherrschende Blickwinkel, den man seitens der Förderpolitik in den vergangenen Jahrzehnten eingenommen hat, war in erster Linie auf die Reduktion des Heizwärmebedarfes eines Gebäudes bei gleichzeitig geringstmöglichen Errichtungskosten fokussiert. Soziale- oder gemeinwirtschaftlichen Folgen eines Bauprojektes stehen dabei noch nicht im Vordergrund.

Nachhaltige Gebäude müssen ökonomisch, ökologisch und sozial verträglich geplant und gebaut werden, fordert daher die Architektin Elisabeth Nöst-Kahlen von der Ziviltechnikerkammer Steiermark. Im Mittelpunkt sollten dabei nicht die Errichtungskosten und der Heizwärmebedarf allein stehen, sondern die Lebenszykluskosten über die gesamte Nutzungsdauer, bis hin zur Entsorgung der verwendeten Baustoffe.

Baumeister Alexander Pongratz von der Landesinnung für Bau der Wirtschaftskammer Steiermark kritisiert in diesem Zusammenhang, die vor allem, die auf den Heizwärmebedarf fokussierte Förderpolitik des Bundes: „Da hat sich in erster Linie die Dämmstofflobby durchgesetzt und die Länder haben durch geltende Verträge mit dem Bund nur eingeschränkten Gestaltungsspielraum bei den eigenen Landesförderungen.“ Dabei gilt heute schon das Styropor an den Hauswänden als großes Sondermüllproblem der Zukunft. Viele der heute verbauten Baustoffe enthalten Problemstoffe, die durch die verwendeten Bauverfahren nachträglich auch nur mehr schwer trennbar sind. 

Philipp Kaufmann von der Österreichischen Gesellschaft für nachhaltige Immobilienwirtschaft fordert einen viel weiteren Blickwinkel bei der Beurteilung der nachhaltigen Qualitäten von Gebäuden. Ihre Planung und Errichtung bestimmt nicht nur die unmittelbaren Betriebskosten des Gebäudes selbst, sondern ein viel weiteres Spektrum an ökologischen und sozialen Folgekosten. Laut einer Studie der Oberösterreichischen Ärztekammer werden zum Beispiel ca. 20% aller Krankheiten von Gebäuden verursacht. Durch die Auswirkungen von Klimaanlagen oder schlechten Belüftungs- & Lichtverhältnissen ebenso, wie durch Schadstoffemissionen der verwendeten Baustoffe. Mit entsprechenden Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Nutzer und die Kosten des Gesundheitssystems. Gebäude- & Immobilienplanung bestimmt aber auch wesentlich das Verkehrsverhaltens und damit die Ökobilanz der späteren Nutzer: Wenn zum Beispiel in Bürogebäuden attraktive sichere Fahrradabstellmöglichkeiten, E-Bike Auflademöglichkeiten, oder Duschen für die Mitarbeiter vorgesehen sind, wird die Bereitschaft der Nutzer steigen, auf das Auto beim Weg in die Arbeit zu verzichten.

Kaufmann kritisiert dabei insbesondere die aktuell immer noch vorherrschende Finanzierungspraxis der Banken: Bei den Kriterien für die Vergabe der Finanzierungen stehen immer noch die Errichtungskosten und nicht ganzheitliche, den gesamten Lebenszyklus des Objektes umfassende Betrachtungen im Mittelpunkt. Die Bauherren selbst sind da in ihren Konzeptansätzen oft schon bedeutend weiter als die finanzierenden Banken, müssen aber oft gerade Investitionen in nachhaltige Maßnahmenbereiche aus einem erhöhten Eigenmittelanteil finanzieren. „Die Banken müssen bei der Finanzierung von Blue-Investments mitgehen“, fordert Kaufmann. In dieselbe Kerbe schlägt auch Ursula Schneider, Architektin und Nachhaltigkeitsexpertin der Ziviltechnikerkammer Wien: „Die Bauherren sind reif für Blue Buildings. Was fehlt, sind die geeigneten politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.“

Nikolaus Lallitsch von der Raiffeisen-Landesbank-Steiermark, der auch Gastgeber der Veranstaltung war, verweist in diesem Zusammenhang auf erst jüngst aktualisierte Kreditprüfungsrichtlinien der RLB-Steiermark bei Immobilienfinanzierungen und signalisiert ebenfalls die Bereitschaft, gemeinsam mit der Ziviltechnikerkammer noch tiefergehende Vorprüfungsverfahren auszuarbeiten, um diesen Aspekten besser Rechnung tragen zu können.

Der Grazer Stadtbaudirektor Bertram Werle geht in seiner Betrachtung noch einen Schritt weiter. Die einzelnen Immobilienobjekte können nicht isoliert betrachtet und bewertet werden. Das erst vor Kurzem vorgestellte Projekt einer „Smart City“ im Grazer Stadtgebiet rund um die Helmut-List-Halle, dessen Entwicklung auch von der Bundesregierung mit mehr als 4 Millionen Euro gefördert wird, weist dabei den Weg. Ziel ist die Entwicklung eines integrierten Nutzungskonzeptes, das soziale, verkehrspolitische und ökologische Aspekte bestmöglich integriert. Werle räumt aber ein, dass die Gestaltungsmöglichkeiten der Stadt abseits von solchen Leitprojekten eingeschränkt sind. Als Behörde kann die Stadt nur im Rahmen der geltenden rechtlichen Bestimmungen handeln. Zwingen kann man private Investoren zu nachhaltigen Immobilien-Investments aber nicht. Die Stadt setzt daher vor allem auf positive Anreize und Vorbildwirkung im Rahmen der Realisierung eigener Bauprojekte.

Christoph Holzer, von Spar-Österreich hebt hervor, dass die Wirtschaft vor allem den Marketingnutzen von Engagements bei der Errichtung von Blue-Buildings schon erkannt hat und verweist dabei auf die eigene Spar-Zentrale, die man als Blue-Building zertifizieren hat lassen. Angesichts von 1.400 Sparfilialen, aber dennoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, der vor allem Experimentier- und Pilotcharakter hat.

Ingo Sonnek, als Zivilingenieur auf Haus und Gebäudetechnik spezialisiert, bringt die Diskussion auf den Punkt: „Nachhaltigkeit ist eine Überzeugung, wo nicht das Erzählte reicht, sondern nur das Erreichte zählt.“

Fotos: Jorj Konstantinov. Abdruck honorarfrei

Abgebildete Personen jeweils von links nach rechts:

Bild1:
· Mag. Nikolaus LALLITSCH , Leiter Immobilien & Infrastruktur der Raiffeisenlandesbank
· DI Gerald FU XJÄGER, Präsident der ZiviltechnikerInnenkammer für Steiermark & Kärnten
· Architektin DI Elisabeth NÖST-KAHLEN , Vorsitzende des ZT-Arbeitskreises „Nachhaltigkeit“, Graz
· MMag. Philipp KAUFMANN, Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI ), Linz

Bild2:
· Mag. Christoph HOLZER, GF der Spar-Zentrale Graz
· DI Bertram WERLE, Stadtbaudirektor, Graz
· Mag. Nikolaus LALLITSCH , Leiter Immobilien & Infrastruktur der Raiffeisenlandesbank
· Architektin DI Elisabeth NÖST-KAHLEN , Vorsitzende des ZT-Arbeitskreises „Nachhaltigkeit“, Graz
· Architektin DI Ursula SCHNEIDER,Vorsitzende des ZT-Arbeitskreises „Nachhaltigkeit“, Wien
· DI Gerald FUXJÄGER, Präsident der ZiviltechnikerInnenkammer für Steiermark & Kärnten
· MMag. Philipp KAUFMANN, Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI ), Linz
· Baumeister DI Alexander PONGRATZ, GF der Pongratz Bau GmbH, Landesinnungsmeister, Graz
· DI Rudolf SONNEK, Zivilingenieur für Maschinenbau, Weiz

Rückfragehinweis:
Mag. Hansjürgen Schmölzer
hansjuergen.schmoelzer@bsx.at
Tel: 0 316 / 766 700 – 45
Fax: 0 316 / 766 700 - 40 


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